Vertrauen ist wie ein Eiswürfel. Wenn er schmilzt, ist er auf Dauer dahin.

Blog Nr. 7 vom 13.03.2021

Vertrauen ist allen Menschen angeboren, so Manfred Stelzig, einer der bekanntesten Psychiater aus Wien. Trotzdem gibt es Gewalt in der Gesellschaft und in der Welt und in unseren Beziehungen. Laut Darwin setzt sich der Stärkste durch. Dem widerspricht Stelzig und belegt durch neueste Forschungen, dass jeder Mensch von Grund auf über Empathie und eine positive Haltung gegenüber anderen Menschen verfügt.

Kein anderes Wort wird in der modernen Gesellschaft so missbraucht wie der Begriff Vertrauen, ob es durch Banken, Politik, Wissenschaft, Kommunikation im Internet, in der Liebe, Freundschaft und Gesellschaft geschieht. Das Vertrauen steckt in heutigen Tagen in einer schwerwiegenden Krise, denn es wird missbraucht – sei es durch Medien, durch politische Parteien, den Finanzsektor, durch Politiker, durch Unternehmen, durch Ehepartner, durch Kinder, durch Eltern, durch Bekannte und Freunde. In diesem Blog werden vor allem die Bereiche der Politik, der Medien, der Unternehmen sowie der gesellschaftliche Bereich angesprochen.

Fakt ist, dass jedes Kind und schon das Baby den Eltern blind vertraut und sich darauf verlassen kann, dass dieses Vertrauen nicht missbraucht wird. Und so entsteht eine Bindung, die lebenslang andauert.

Fakt ist, dass bis in die Siebzigerjahre gegenüber den Medien noch blindes Vertrauen entgegengebracht wurde. Nachrichten wurden als gegebene Wahrheiten angenommen, obwohl diese in der Realität doch tendenziös waren. Die Medien haben jedoch seit der Ära Merkel erheblich an Glaubwürdigkeit verloren und werden immer mehr infrage gestellt, da die Beschreibung des Zustands Deutschlands und das durch das Volk tatsächlich Erlebte voneinander abweichen und die Abweichungen immer größer werden. Damit wird für jedermann sichtbar, dass „die da oben“ eigentlich in einer anderen Welt leben, die nichts mehr mit der Realität zu tun hat.  Es wird versucht, den Schaden, den die Medien erlitten haben, durch angeblich repräsentative Meinungsumfragen umzudeuten. Jedoch ist das verlorene Vertrauen erheblich tiefer und gefährlicher, denn ein ständig zunehmender Teil der Bevölkerung orientiert sich an anderen Informationsquellen, die möglicherweise gefährlicher und manipulativer als die traditionellen sind.

Fakt ist, dass die Banken und der gesamte Finanzsektor erheblich an Glaubwürdigkeit und damit an Vertrauen verloren haben, auch wenn sie unbeirrt davon weiter mit Vertrauen werben.  Aber ihr Verhalten und ihre Versprechen weichen in erheblichem Maß voneinander ab, was ihre Glaubwürdigkeit weiter in Frage stellt. Geldgeschäfte basieren jedoch auf Vertrauen. Insoweit wird immer erkennbarer, dass die Menschen ihre Geldgeschäfte mit erheblicher Skepsis gegenüber den Banken tätigen, denn das Vertrauen – das Grundkapital das jede Bank besitzt – geht langsam und sicher verloren. Es versickert so sehr, dass auf Dauer nach Alternativen gesucht werden muss.

Fakt ist, dass auch die Wissenschaft erhebliche Glaubwürdigkeitsverluste und damit verbundene Vertrauensverluste erleidet, seit sie einen Teil ihres Wissens zu Diensten des Kapitals zur Verfügung stellt. Hinzu kommt, dass ihre Haltung gegenüber der Gesellschaft nicht immer erkennbar ist und dass die Korruption auch unter Wissenschaftlern in erheblichem Maß zugenommen hat. Dieser Vertrauensverlust hat gerade begonnen und wird höchstwahrscheinlich weiter zunehmen, wenn die Wissenschaft nicht einen radikalen Bruch mit den Mächtigen vollzieht.

Fakt ist, dass die politischen Parteien vor 30 Jahren einen erheblichen Vertrauensvorschuss hatten, auch wenn das Gestrige nicht immer rosa war. Die heutigen politischen Parteien jedoch und die handelnden Personen in den Parteien, seien es Angela Merkel und die CDU, sei es die SPD-Führung, die Führung der Grünen, die FDP-Führung, die Führung der Linken, die AfD-Führung, haben einen großen Teil des Vertrauens bei der Bevölkerung verspielt. Eine große Zahl von Handelnden agieren in einer immer engeren Nähe zu den Mächtigen – zu Lasten der gesamten deutschen Bevölkerung. Die Korruption, und insbesondere die Korruption während der Coronakrise, führt dazu, dass immer mehr Bürger sich von den Parteien abwenden, denn es sind nicht nur einzelne Politiker, die sich korrupt zeigen, vielmehr spiegelt deren Verhalten die Struktur der politischen Elite.

Deutschland ist weltweit eines der wenigen Länder, in dem nicht klar und für jeden transparent die Einflussnahme der Unternehmen, der Banken, Organisationen jeglicher Art, mit anderen Worten aller Mächtigen, dokumentiert und die Verbindung mit Politikern aufgezeigt wird. Insbesondere haben die CDU/CSU, die FDP, die SPD und die Grünen sich nicht darauf verständigt, endlich ein Register der Lobbyisten zu führen, das auch strafrechtliche Tatbestände beinhaltet. Kurz vor den Wahlen in 2021 irgendwelche Ehrenerklärungen von sich zu geben, vor allem um die Wähler zu blenden, verstärkt jedoch den schon entstandenen Verlust an Vertrauen und zwar nachhaltig.

Fakt ist, dass politisches Versprechen und politisches Handeln immer mehr voreinander abweichen, sodass die Glaubwürdigkeit in erheblichem Maße abnimmt und damit das Vertrauen der Bevölkerung in die politische Elite und in die Führung des Staates. Es ist ein Drama, dass Politiker außer in ihren Sonntagsreden immer noch nicht richtig verstanden haben, dass der Verlust des Vertrauens und ein erheblicher Schaden an der Demokratie Hand in Hand gehen. Sie haben immer noch nicht verstanden, dass ein gewisses Verhalten notwendig ist, um das Vertrauen nicht zu beschädigen und zwar auf Dauer. Wird die Bevölkerung misstrauisch, so ist die Wiedergewinnung des Vertrauens erheblich schwerer, wenn überhaupt noch möglich, und die Übertragung auf die gesamte Elite ist nur eine Frage der Zeit. Dies führt jedoch dazu, dass geistige Brandstifter, Verschwörungstheoretiker, Demokratiefeinde leichtes Spiel haben mit der Schafherde des Volkes.

Fakt ist, dass das Vertrauen nicht ständig angepriesen werden darf, sondern der tägliche Kampf um das Vertrauen sichtbar gemacht werden muss. Anpreisen, Vermissen und Beklagen des Verlustes ist eine Sache. Angst zu haben vor seiner Verletzbarkeit ist eine andere Sache. Es gilt daher tagtäglich um den Erhalt des Vertrauens zu kämpfen und nicht, dieses anzupreisen oder zu beklagen.

Feststeht, dass Vertrauen notwendig ist, denn ohne Vertrauen ist keine Gesellschaft lebensfähig und zwar auf allen Ebenen, sei es die politische, die gesellschaftliche, die wirtschaftliche und die zwischenmenschliche. Wir leben zurzeit in einer Krise des Vertrauens, ob das von Fake News und alternativen Wahrheiten oder sonstigem Fehlverhalten der politischen Elite herrührt, die letztendlich ihre Spuren hinterlassen in einem Zerfallsprozess der Gesellschaft und unserem Land Deutschland.

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